VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 6. 11, elb
Auslandsimmobilien: Die Finanzkrise hat vor allem der Deutschen liebste Ferienziele hart getroffen. Doch wer jetzt in Spanien auf Schnäppchenjagd nach Ferienhäusern geht, stellt schnell fest: Was billig angeboten wird, ist noch lange nicht preiswert. Und Objekte in Bestlagen mit hohem Komfort kosten schon wieder fast so viel wie vor der Krise.
Rund 5000 spanische Ferienimmobilien wurden Mitte Mai auf der Internetplattform immowelt.de zum Verkauf angeboten, allein 2000 davon auf den Balearen und 1700 an der Costa Blanca, den beliebtesten Urlaubsregionen. Den Sommerurlaub vor Augen und die Zeitungsberichte über den Preisverfall spanischer Immobilien im Hinterkopf, liebäugelt mancher bundesdeutsche Schnäppchenjäger mit dem Finca-Kauf.
Bis zu 60 % hätten die Preise nachgegeben, war in den vergangenen Monaten zu lesen. Anlässlich der größten nationalen Immobilienmesse Sima Ende April verteilten Makler Reisegutscheine an Interessenten oder boten Einbauküchen als Draufgabe zur Wohnung an. Doch die vermeintlichen Schnäppchen entpuppen sich häufig als halbfertige Eigentumswohnungen oder Objekte in großen Anlagen, die im Bauboom vor 2008 schnell und billig hochgezogen wurden.
"Wer eine Immobilie in Spanien erwerben möchte, sollte sich das Angebot sehr genau anschauen", empfiehlt Anwalt Peter Schöllhorn von der Schutzvereinigung Auslandsimmobilien. Wurde das Objekt wirklich fertiggestellt? Liegt eine Bewohnbarkeitsbescheinigung vor? "Käufer dürfen sich nicht darauf verlassen, dass der Zustand der Immobilie nach der Übergabe noch nachgebessert wird", warnt Schöllhorn. Meiden sollte man auch Anlagen, die nur zu 10 % bis 20 % verkauft seien.
Ganz wichtig bei Objekten in Meeresnähe: den Küstenschutz beachten! "Das bleibt in Spanien ein Dauerthema", erklärt der Freiburger Spanienexperte. Ende der 1990er-Jahre hatte die spanische Regierung den Neubau innerhalb einer Zone von 100 m zur Küste untersagt.
Die genaue Abgrenzung ist aber bis heute noch nicht in allen Regionen erfolgt. Generell sollten sich Interessenten die Baugenehmigung für das begehrte Objekt zeigen lassen, selbst bei Bestandsimmobilien und gerade in ländlichen Gegenden, rät Schöllhorn. Eile sei ohnehin nicht geboten, ist der Anwalt überzeugt. "Der Abgabedruck hält an, die Preise bleiben nach meiner Schätzung noch bestimmt zwei, drei Jahre unter Druck." Die Zahl unverkaufter Wohneinheiten sei nach wie vor sehr hoch. Von über 1 Mio. Einheiten in ganz Spanien ist die Rede. "Die Inländer selbst haben bei einer Arbeitslosenquote über 20 % keine große Neigung, sich auf Immobilienabenteuer einzulassen." Weitere Notverkäufe könnten den Markt belasten, wenn die Zinsen steigen. Schöllhorn: "Vielfach wurde zu 100 % finanziert. Und da die Kredite in der Regel mit variabler Verzinsung vereinbart werden, träfe eine Zinswende die Spanier hart." Von der Finanz- und der folgenden Immobilienkrise zeigt sich der Markt im 17. deutschen Bundesland Mallorca weitgehend unbeeindruckt. Engel & Völkers, eines der international führenden Dienstleistungsunternehmen für Wohn- und Gewerbeimmobilien im Premium-Segment, hat im ersten Quartal 2011 seine Umsätze auf den Balearischen Inseln verdoppelt. Das Gesamtvolumen stieg auf 39 Mio. € im Vergleich zu 17 Mio. € im selben Zeitraum 2010.
Marcus von Busse, Masterlizenzpartner von Engel & Völkers auf den Balearen: "Der Markt in dieser Region wurde durch die Rückkehr großer ausländischer Investoren wiederbelebt. In den letzten Monaten haben wir Geschäfte mit Investoren aus zahlreichen Ländern abschließen können, darunter mit Schweden, Österreichern, Schweizern und Russen, die in den bisher von Deutschen und Engländern dominierten Markt neu hinzugekommen sind."
Die Balearen profitierten außerdem von der politischen Instabilität in Nordafrika, die dazu führen wird, dass mehr Touristen hier ihren Urlaub verbringen werden, so von Busse. Um 10 %, maximal 15 % sind die Preise für Luxusimmobilien auf Mallorca im Krisenjahr 2009 zurückgegangen. Zwei Jahre später haben sie zumindest in Küstennähe 2011 teils schon wieder das Niveau von 2007 erreicht.
Ähnlich stellt sich die Situation in Frankreich dar, wo wie in Italien die Immobilienpreise kaum unter der Finanzkrise gelitten haben. Von einem Nachfragerückgang um circa 20 % spricht man bei der Agentur Maisons et Chateaux. Zwar hätten sich die Engländer auf der Käuferseite zurückgezogen, aber in den beliebten Ferienregionen, wie der Cote d'Azur, blieben die Preise sehr stabil.
Den französischen Markt könnte allerdings in Zukunft eine geplante Sondersteuer für Ferienhäuser von Eigentümern belasten, die nicht in Frankreich ihren Hauptwohnsitz haben. Geplant ist, dass die Sondersteuer 20 % des Mietwertes der betroffenen Immobilien betragen soll. Einen entsprechenden Gesetzentwurf legte Haushaltsminister François Baroin der Regierung Mitte Mai vor. MARTIN VOLME
Immobilie in Spanien